Erzähl doch mal.

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Ein ganzes Wochenende auf einer Burg? Klingt spannend. War es auch. Geladen vom Deutsch Türkische Forum Stuttgart haben sich acht Teilnehmer und zwei Moderatoren zu den sogenannten Biografiegesprächen auf Burg Liebenzell versammelt. Was das ist, könnt ihr in meinem Bericht nachlesen.

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Videoreportage: Deutsch-türkische Krumbacherinnen.

Nach vielen Stunden Arbeit findet ihr nun meine erste Videoreportage, entstanden im Rahmen meiner Weiterbildung an der SAE Stuttgart. Thema sind türkischstämmige Krumbacherinnen. Dabei habe ich mich bemüht, einen möglichst repräsentativen Querschnitt zu finden. Ich sprach mit der in Krumbach durch diverse Auftritte bekannten alevitischen Sängerin Elif Polat, außerdem mit Hanife Bat, die für die VHS einen Türkisch-Kurs gibt, sowie die beiden Schülerinnen Dilara und Meziya Yüksel.

Besonderer Dank gebührt neben den Protagonistinnen vor allem meinen Dozenten und Tutoren an der SAE Stuttgart und nicht zuletzt dem famosen Markus Bürkel, der weder mit seinem  Equipment noch mit seiner Erfahrung gegeizt und mich hervorragend unterstützt hat.

Seht mir bitte den an manchen Stellen nicht ganz optimalen Ton nach – das war meine erste Produktion dieser Art. Ich habe auf jeden Fall eine ganze Menge dabei gelernt und werde mit Sicherheit noch weitere ähnliche Projekte angehen.

Von Nymphen, Johnny und einem beleuchteten Piano.

Einmal mehr gab es im Krumbacher Wiedemanns Keller einen gemütlichen Konzert-Abend. Eben noch im Ulmer Roxy, schon bei der Krumbacher Stubenmusik: die verpeilt-charmanten Zwillinge Undine & Roxane aus Ulm. Was die beiden so alles zu singen und auch aus dem vielzitierten Nähkästchen zu plaudern hatten, erfahrt ihr in meinem Bericht für die Mittelschwäbischen Nachrichten.

Hier gibt es noch eine handvoll Bilder vom Konzert.

Von Morder nach Bruchtal.

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Eine fiktive Reportage schreiben. Das war die Vorgabe bei einer Übung am SAE-Institute. Als passionierter Freizeit-Nerd hab ich mich dazu entschlossen, mir das bewegende Schicksal des Orks Grishnak Schädelspalter aus der leicht gerümpften Nase zu ziehen.

 

Die mächtige Axt saust krachend nieder. Holz splittert, als der Schild zerbricht. Ein Hieb, der sicher auch einen Schädel spalten könnte. „Grishnak nicht mehr Schädel spalten“, verkündet die wuchtige Gestalt grinsend. Sein kehliger Akzent verrät ihn: Grishnak ist ein Ork. Ein schlanker Elb rappelt sich mühsam auf und wischt sich dann elegant den Staub vom edlen Gewand. „Grishnaks Hiebe bergen die Kraft eines Trolles“, kommentiert der Waldbewohner, während er sein Schwert im hohen Gras sucht. Die beiden Krieger haben gekämpft – aber nicht auf Leben und Tod, sondern um ihre Reflexe zu trainieren. Jetzt schlendern sie gemeinsam in die nahe Taverne, um den Abend gemütlich ausklingen zu lassen. Vor wenigen Monden noch wäre das für Grishnak undenkbar gewesen.

Wie viele andere Orks auch, stammt Grishnak aus einer anderen, finsteren Welt. Grishnak wuchs in Mordor auf. Nervös bohrt er in der Nase, während er angestrengt über seine Vergangenheit nachdenkt. Er spricht nicht gerne drüber. Wenn sich seine Stirn in Falten legt, weiß man nicht, ob er zum Erzählen ansetzt – oder zu einem kräftigen Fausthieb. Er wuchs auf in einer von Gewalt bestimmten Gesellschaft. Das Recht des Stärkeren war oberstes Gebot. Wer sich diesem Diktat nicht unterwarf, ging unter. Und Grishnak war oft kurz davor.

„Als Grishnak noch klein, Grishnak gerne Baden in Sumpf.“ Ein für unser Verständnis fremdes Vergnügen. Aber das Bad im schwarzen Schlamm ist für Orks eine äußerst entspannende Angelegenheit, mit hoher sozialer Komponente. Freilich ist das nicht mit den zivilisierten Freuden eines Badehauses in Bruchtal zu vergleichen. Dennoch: hier treffen sich Saurons Krieger, um sich nach Herzenslust im klebrigen Matsch zu suhlen. So manche Kriegerfreundschaft wurde hier geboren. Grishnak erinnert sich: „Oglok erste mal gesehen in Schlamm. Oglok hauen Grishnak. Oglok stark. Grishnak hauen Oglok. Grishnak auch stark. Dann Oglok und Grishnak Freunde.“

Flegeljahre in Gondor

Die ersten Raubzüge in Gondor waren Grishnaks Sturm-und-Drang Zeit. Ausgelassenes Morden und Plündern – das war sein Ding. „Oglok stechen Mensch tot, nehmen sein Axt und hauen andere Mensch tot“, freut sich Grishnak. Bewunderung kennzeichnet die ausufernden Gesten, mit denen er seine Erzählung untermauert. Der Elb, der neben ihm hier in der Taverne sitzt, zuckt bei jeder Bewegung des Orks zusammen.

In jenen Tagen begann es, dass Saruman, der weiße Zauberer, die ersten Uruk-Hai züchtete. „Uruk-Hai!“ Grishnak haut mit seiner groben Faust so heftig auf den Tisch, dass der Weinpokal des Elben umfällt und sein roter Inhalt sich über den Tisch ergießt.

Rot war auch das Blut, dass die Uruk Hai in Rohan vergossen. Die mächtigen, disziplinierten Krieger – gezüchtet aus Orks und Bilwis-Menschen – waren bekannt für Ihre Zähigkeit, ihre Ausdauer und ihre absolute Loyalität gegenüber dem mächtigen Magier. Das Bündnis der zwei Türme – Minas Tirith und Minas Morgul – bedrohte die freien Reiche der Menschen, Elben und Zwerge. Doch unter der Oberfläche brodelte es.

„Uruk Hai Verräter! Sein halbe Menschen! Kämpfen für Menschen!“ Eine tiefe Kluft lag zwischen den Elite-Kriegern der Uruk-Hai und dem Kämpfer-Prekariat der Mordor-Orks. Während die Uruk Hai in schicken einheitlichen Rüstungen mit einer durchdesignten CI (Wer kennt nicht die weiße Hand, die mittlerweile ein beliebter Merchandising-Artikel wurde?) und hochwertigsten Klingen aus hippem schwarzem Stahl ausgestattet waren, mußten sich die Mordor-Orks weitgehend mit rostigen Schwertern, grobschlächtigen Äxten und zusammenimprovisierten Rüstungen aus geplünderten Resten begnügen. „Wenn kämpfen gegen hässliche Menschen und stinkende Elben…“ – Grishnak unterbricht sich kurz selbst und blickt entschuldigend zu dem Elben neben sich, der gerade versucht, die Reste des umgekippten Weines zu retten. „…immer Uruk aus Mordor sterben. Legolas schießen Pfeile, immer wir sterben. Mordor-Uruk nie töten Hauptrolle.“ Girishnak redet sich förmlich in Rage. „Und Uruk-Hai? Uruk-Hai immer kämpfen gut. Für Menschlein schwer, Uruk-Hai zu töten. Und Uruk-Hai töten mächtigen Boromir.“

Es spricht Neid aus Grishnaks Stimme. Kann man es ihm verdenken? Tatsächlich sind es stets die Uruk-Hai, die im Ringkrieg glänzen. Sie sind es, die Rohan ins Chaos stürzen. Vor ihnen fürchten sich die Soldaten in den Reihen Gondors. Und sie sind es, die Saurons Sieg vorbereiten. Auf die Mordor-Orks hingegen schaut man verächtlich herab. Kein Krieger nimmt sie ernst, wenn sie nicht gerade in großen Horden auftauchen. Sie werden als degenerierte Kreaturen dargestellt, unfähig, einen geraden Satz zu formulieren.

Der schlimmste Tag kam für Grishnak, als seine Kampfgruppe zusammen mit einigen Mordor-Orks durch Rohan marschierte. „Nicht marschieren! Rennen!“, korrigiert Grishnak wütend. Die Uruk-Hai rannten mehrere Tage lang durch. Auf strauchelnde Mordor-Orks wurde keine Rücksicht genommen. Pausen? Fehlanzeige. Sie trugen zwei Hobbits bei sich. Der Hunger der Mordor-Orks, die seit Tagen nichts gegessen hatten, wurde unerträglich. Sie zogen in Erwägung, die Hobbits einfach zu verspeisen. Aber die Uruk-Hai verhinderten dass. Stattdessen schlachteten sie kurzerhand einen Mordor-Ork. Endlich wieder Fleisch auf dem Speiseplan.

Der mächtige Kiefer, aus dem zwei beeindruckende Hauer ragen, bebt kaum merklich. Bisweilen liegt ein Anflug von Traurigkeit auf seinen tiefliegenden Schweinsäuglein, wenn Grishnak über diesen Moment berichtet. Der Ork, der zum Futter für die Krieger wurde, war Oglok. Grishnaks zerfurchtes Gesicht zeugt von ehrlicher Zuneigung für seinen so würdelos gefallenen Kameraden. Im Augenblick seines Todes fiel Grishnaks Entschluss.

„Grishnak nicht mehr Saurons Krieger. Grishnak gehen.“. Und tatsächlich: Grishnak ging. Er floh durch die Lande der Menschen, schlug sich mit Hilfe einer Ostling-Schlepperbande zu Fuß nach Rohan durch. Dabei mußte er immer auf der Hut sein vor den aufgebrachten Reitern von Rohan, die jeden Ork erschlugen, den sie finden konnten. „Uruk Hai nicht mögen Girshnak. Pferdemenschen nicht mögen Grishnak. Spitzohren auch nicht mögen Grishnak.“ Auch in den Wäldern Lorens war Grishnak nicht willkommen. Statt ihm möglichst theatralisch sein Schicksal weiszusagen, liess Galadriel den Ork davonjagen und drohte damit, ihn mit Pfeilen zu durchbohren, sollte er wiederkehren.

Doch Grishnak ließ sich nicht entmutigen. Er schlug sich bis nach Bruchtal durch. Heute sitzt er im tänzelnden Pony und gibt dem Elben einen neuen Pokal Wein aus. „Grishnak ist im Grunde seines Herzens ein guter Kerl. Wir können viel von ihm und seiner Sicht auf die Welt lernen“, resümiert sein elbischer Freund, der nicht möchte, dass sein Name veröffentlicht wird. Es gibt viele Vorurteile gegen Orks. Vor allem konservative Zwerge schauen mit Verachtung auf den fremden Krieger. Sie feinden auch die Elben und Hobbits an, die dem Ork helfen. „Besonders große Sorgen macht uns derzeit die BEGODA. Beutelsender gegen die Orkisierung des Auenlandes“. Der Elb sieht in der Bewegung eine Gefahr für den Frieden und eine von radikalen Kräften geschürte Ansammlung Unzufriedener. Sie nennen sich selbst „besorgte Bürger des Auenlandes“ und bedienen sich vordergründig einer aufklärerischen Rhetorik. „Sie agieren sehr geschickt. Das macht mir wirklich Sorgen, denn sie spielen gekonnt mit den Ängsten, die in den Köpfen vieler Auenländer vorhanden sind. Wir leben in unsicheren Zeiten – die Mär vom bösen Ork, der dem braven Bürger von Hobbingen seine Tochter raubt, fällt auf fruchtbaren Boden. Doch diese Zeiten sind lange vorbei.“

Grishnak wird oft angefeindet. So mancher Hobbit hat ihn schon wütend mit Kartoffeln beworfen und als Wirtschaftsflüchtling diffamiert. Das ein Ork in seiner Heimat wirklich Verfolgung und massivem Druck ausgesetzt war, kann man sich hier nicht vorstellen. „Die wollen doch nur unsere köstlichen Tüften wegfuttern. Neulich zwischen erstem und zweitem Abendbrot, kam dieser Strolch an unserer Hobbithöhle vorbei. Mir ist nicht entgangen, wie er gierig auf unser Essen schielte“, erzählt der aufgebrachte Beutelsender Reto Hüttinger.

Orkkrieger mit Zwergenaxt.

Das Zusammenleben ist schwierig. Aber es gibt auch gerade unter den Elben viele, die sich klar und deutlich von BEGODA und den Vorurteilen abgrenzen. Wie unser namenloser elbischer Freund, der sich gerne mal mit Grishnak zu Übungskämpfen trifft. „Wir können beide davon lernen. Offen aufeinander zugehen, sich austauschen – und den Gegenüber unabhängig von Haut- und Fellfarbe, Sprache und Länge des Hauers akzeptieren“, träumt er laut, während Grishnak eine Hammelkeule verschlingt. Die hat ihm eine Hobbitfamilie spendiert, die schüchtern, aber freundlich vom gegenüberliegenden Tisch herüberwinkt. Man lernt, miteinander auszukommen.

Die Spendenbereitschaft ist sehr groß. Grishnak und zwölf weitere Orks, die in den letzten Wochen hier angekommen sind, können sich nicht beklagen. Sie haben viele Kleider und auch Waffen von den hiesigen Anwohnern bekommen. Das Elbenhemd sitzt vielleicht nicht perfekt, und die Zwergenaxt ist etwas zu klein – aber das bunte Bild der Orkkrieger von Bruchtal macht Hoffnung und Mut. Vielleicht sind Grishnak und seine Freunde die Vorboten einer neuen Generation von Orks. Ein pensionierter Gelehrter aus Minas Tirith bringt den Orks Abends die Menschensprache bei. „Sie machen große Fortschritte“, freut sich der ältere Mann mit dem weißen Haarkranz. Die ehrenamtliche Arbeit scheint ihn nicht anzustrengen, sondern glücklich zu machen. „Man lernt diese Kreaturen von einer ganz anderen Seite kennen.“

Das bestätigt auch Loretta Grünblatt. Die Elbin aus Lorien hat die Tanzgruppe „Mittelerder Kreis der Harmonie“ gegründet. Neben einigen Elben, Menschen und Hobbits tanzt hier auch Grishnak mit. Noch wirkt er etwas unbeholfen, aber schon bald wird er sicher leichtfüßig und anmutig wie Arwen Abendstern höchstselbst über die sanften Hügel des Auenwaldes tanzen. Diese Momente der Normalität – so unkonventionell sie auch wirken mögen – verschaffen den Ork-Flüchtlingen Momente der Normalität. Und Gelegenheiten, aufzuatmen.

Dem Engagement des Helferkreises ist es zu verdanken, dass Grishnaks Wunden heilen können. Nicht nur die Narben, die die Schwerter der Menschen ihm geschlagen haben. Sondern auch die Narben auf seiner Seele, die das grausame ungleiche System Saurons über ihn brachte.

Taschentücher im Hut.

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Foto: Markus Schropp / Ruth Graf.
Nachdem ich in den letzten Wochen und Monaten die meiste Zeit und Energie in meine SAEFacharbeit gesteckt habe, wird es mal wieder Zeit für neue Texte. Für die Mittelschwäbischen Nachrichten habe ich mit den Kletter-Experten Hans Rieß und Ruth Graf gesprochen. Wer wissen möchte, welcher Muskel beim Klettern am wichtigsten ist, findet den Text in der heutigen Print-Ausgabe – oder natürlich im allwissenden Internet.

Von lachenden Kindern und scheidenden Lehrern.

Dass unsere türkischstämmigen Mitbürger ganz gerne feiern, habe ich ja bereits beim Fastenbrechen der Krumbacher DITIB-Gemeinde erfahren. Vergangenen Sonntag hatte ich das Vergnügen, dem Jahresabschlussfest des türkischen Elternbeirates beizuwohnen. Was Michael Jackson und Chaka Khan damit zu tun haben, erfahrt ihr in meinem Beitrag für die Mittelschwäbischen Nachrichten.

 

Die Deutsche Bank, Flüchtlinge und Griechenland.

Vor einigen Jahren (etwa 2013) habe ich diesen Aufkleber entworfen. Natürlich mit dem Ziel, mittels garstiger Polemik ein paar billige Lacher abzustauben – die nach kurzer Einwirkzeit jedoch wütend an die Tür unserer inneren Gewissenszentrale pochen sollten.

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Ich stelle fest, dass die von mir aufgegriffenen Themen allesamt von hoher Aktualität sind.

Damals machte die Deutsche Bank mit ihren Nahrungsmittelspekulationen von sich reden. Ganz selbstkritisch hat sie deshalb eine Studie in Auftrag gegeben – und die sicherheitshalber auch gleich in der eigenen Research-Abteilung durchgeführt. Das überraschende Ergebnis: Lebensmittelspekulationen sind gar nicht so schlimm. Eigentlich sogar total dufte.

Foodwatch sah das anders. In einem internen Papier gestanden die hauseigenen Forscher der Deutschen Bank und auch die Kollegen der nicht minder ehrenwerten Allianz ein, dass die Spekulationen zur Preissteigerung von Grundnahrungsmitteln beitragen bzw. selbige verstärken – nachzulesen in diesem Artikel auf zeit.de

Auch die Landgrabbing-Aktivitäten tragen unter anderem laut FIAN Deutschland zu Vertreibungen bei. Sehr anschaulich erklärt der Film Darwins Alptraum die Zusammenhänge.

Ob die anderen Völker in Wohlstand leben oder ob sie verrecken vor Hunger, das interessiert mich nur soweit, als wir sie als Sklaven für unsere Kultur brauchen, anders interessiert mich das nicht.

Könnte das ein Zitat aus der Führungsetage der Deutschen Bank sein? Vielleicht. Es stammt aber von Heinrich Himmler, aus seiner berüchtigten Posen-Rede. Das Aktivisten-Duo Yes Men hat – getarnt als Wirtschaftsexpteren – auf einer Tagung vor aufmerksam lauschenden Top-Managern die These ausgeführt, dass es wirtschaftlicher wäre, die Sklaven in ihrer Heimat zu lassen. Schaut man sich den Film „The Yes Men fix the world“ an, kann man sich kaum entscheiden, ob man – leicht hysterisch – lachen oder vor Verzweiflung laut aufschreien möchte.

Die Realität sieht anders aus. Statt brav und dankbar in unseren Fischfabriken in Afrika zu arbeiten, kommen die geldgeilen Flüchtlinge übers Meer zu uns. Die tapferen Männer von Frontex sind unser letzte Hoffnung. Eine Bastion, die die lebenden Tsunamis  noch in ihre Schranken weist. Ein Skandal, dass einige als Künstler getarnte Querulanten die mühsam in Massengräbern entsorgten Kollateralschäden einfach wieder ausgraben. Geschmacklos.

Sind wirklich die Aktivisten vom Zentrum für politische Schönheit geschmacklos? Oder vielleicht doch die Entscheider, die sich ihrer Verantwortung entziehen? Was regt sich noch in dem Trümmerhaufen unseres Gewissens?

Und was hat das mit den faulen Griechen zu tun?

Eigentlich nix. Auf dem Aufkleber oben sollte das nur eine weitere feixende kleine Provokation sein. Aber ähnlich wie das Flüchtlingsthema ist auch die Griechenland-Misere ein in den Medien hochpräsentes Thema. Die Deutsche Bank durfte sich vermutlich drüber freuen – schließlich kamen von den Rettungsgeldern für Athen 1,6 Milliarden nach Frankfurt zurück.
Die Griechen beschimpfen uns als Nazis, wir kontern mit dem Klischee vom faulen Südländer. Eine tolle Zusammenstellung der schönsten Schmähungen haben die Spassvögel von Neo Magazin Royale und Circus HalliGalli gebastelt.

Gewiss, man kann den Herren Varoufakis und Tsipras eine gewisse Großspurigkeit und auch einen Hauch Dreistigkeit ankreiden. Das Volk zu befragen, sollte aber grade im Mutterland der Demokratie eine höchst willkommene Amtshandlung sein. Das sieht beispielsweise auch Martin Sonneborn so, während Altkanzler Helmut Schmidt eine strengere Regulierung der Finanzmärkte fordert.

Die Stimmung im griechischen Volk fängt sehr gut die Panorama-Reportage „Ach, Griechenland“ ein. Hier kommt  ein Flüchtling zu Wort, der voll des Lobes für das griechische Volk ist, das ihn und seine Familie mit offenen Armen und voller Herzlichkeit empfangen hat. Menschen, die nicht wissen, ob am nächsten Tag noch Geld aus dem Automaten kommt, helfen denen, die noch weniger haben.
Es wäre dringend anzuraten, dass die Deutschen von ihrem hohen Ross herabsteigen. Die Schabracke zeigt zwar kein Hakenkreuz, der Gaul galoppiert aber mit neoliberaler Höchstgeschwindigkeit dahin. Die Griechen kommen dabei unter die Hufe.

 

 

Abziehen und die Welt be(k)leben.

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In diesem Blog werfe ich munter Journalismus, Kulturarbeit und Gestaltung in einen Topf. Dieses geordnete Chaos übertrage ich auch auf meine Visitenkarten. Die sind nicht nur Visitenkarten. Sondern nebenher auch noch Aufkleber. Ich habe eine handvoll verschiedener Motive entworfen und bei online-druck.biz gedruckt. Ich werde die Teile in den einschlägigen Lokalitäten in Krumbach auslegen. Die dürft ihr dann einfach mitnehmen und damit die Welt be(k)leben.