Die Deutsche Bank, Flüchtlinge und Griechenland.

Vor einigen Jahren (etwa 2013) habe ich diesen Aufkleber entworfen. Natürlich mit dem Ziel, mittels garstiger Polemik ein paar billige Lacher abzustauben – die nach kurzer Einwirkzeit jedoch wütend an die Tür unserer inneren Gewissenszentrale pochen sollten.

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Ich stelle fest, dass die von mir aufgegriffenen Themen allesamt von hoher Aktualität sind.

Damals machte die Deutsche Bank mit ihren Nahrungsmittelspekulationen von sich reden. Ganz selbstkritisch hat sie deshalb eine Studie in Auftrag gegeben – und die sicherheitshalber auch gleich in der eigenen Research-Abteilung durchgeführt. Das überraschende Ergebnis: Lebensmittelspekulationen sind gar nicht so schlimm. Eigentlich sogar total dufte.

Foodwatch sah das anders. In einem internen Papier gestanden die hauseigenen Forscher der Deutschen Bank und auch die Kollegen der nicht minder ehrenwerten Allianz ein, dass die Spekulationen zur Preissteigerung von Grundnahrungsmitteln beitragen bzw. selbige verstärken – nachzulesen in diesem Artikel auf zeit.de

Auch die Landgrabbing-Aktivitäten tragen unter anderem laut FIAN Deutschland zu Vertreibungen bei. Sehr anschaulich erklärt der Film Darwins Alptraum die Zusammenhänge.

Ob die anderen Völker in Wohlstand leben oder ob sie verrecken vor Hunger, das interessiert mich nur soweit, als wir sie als Sklaven für unsere Kultur brauchen, anders interessiert mich das nicht.

Könnte das ein Zitat aus der Führungsetage der Deutschen Bank sein? Vielleicht. Es stammt aber von Heinrich Himmler, aus seiner berüchtigten Posen-Rede. Das Aktivisten-Duo Yes Men hat – getarnt als Wirtschaftsexpteren – auf einer Tagung vor aufmerksam lauschenden Top-Managern die These ausgeführt, dass es wirtschaftlicher wäre, die Sklaven in ihrer Heimat zu lassen. Schaut man sich den Film „The Yes Men fix the world“ an, kann man sich kaum entscheiden, ob man – leicht hysterisch – lachen oder vor Verzweiflung laut aufschreien möchte.

Die Realität sieht anders aus. Statt brav und dankbar in unseren Fischfabriken in Afrika zu arbeiten, kommen die geldgeilen Flüchtlinge übers Meer zu uns. Die tapferen Männer von Frontex sind unser letzte Hoffnung. Eine Bastion, die die lebenden Tsunamis  noch in ihre Schranken weist. Ein Skandal, dass einige als Künstler getarnte Querulanten die mühsam in Massengräbern entsorgten Kollateralschäden einfach wieder ausgraben. Geschmacklos.

Sind wirklich die Aktivisten vom Zentrum für politische Schönheit geschmacklos? Oder vielleicht doch die Entscheider, die sich ihrer Verantwortung entziehen? Was regt sich noch in dem Trümmerhaufen unseres Gewissens?

Und was hat das mit den faulen Griechen zu tun?

Eigentlich nix. Auf dem Aufkleber oben sollte das nur eine weitere feixende kleine Provokation sein. Aber ähnlich wie das Flüchtlingsthema ist auch die Griechenland-Misere ein in den Medien hochpräsentes Thema. Die Deutsche Bank durfte sich vermutlich drüber freuen – schließlich kamen von den Rettungsgeldern für Athen 1,6 Milliarden nach Frankfurt zurück.
Die Griechen beschimpfen uns als Nazis, wir kontern mit dem Klischee vom faulen Südländer. Eine tolle Zusammenstellung der schönsten Schmähungen haben die Spassvögel von Neo Magazin Royale und Circus HalliGalli gebastelt.

Gewiss, man kann den Herren Varoufakis und Tsipras eine gewisse Großspurigkeit und auch einen Hauch Dreistigkeit ankreiden. Das Volk zu befragen, sollte aber grade im Mutterland der Demokratie eine höchst willkommene Amtshandlung sein. Das sieht beispielsweise auch Martin Sonneborn so, während Altkanzler Helmut Schmidt eine strengere Regulierung der Finanzmärkte fordert.

Die Stimmung im griechischen Volk fängt sehr gut die Panorama-Reportage „Ach, Griechenland“ ein. Hier kommt  ein Flüchtling zu Wort, der voll des Lobes für das griechische Volk ist, das ihn und seine Familie mit offenen Armen und voller Herzlichkeit empfangen hat. Menschen, die nicht wissen, ob am nächsten Tag noch Geld aus dem Automaten kommt, helfen denen, die noch weniger haben.
Es wäre dringend anzuraten, dass die Deutschen von ihrem hohen Ross herabsteigen. Die Schabracke zeigt zwar kein Hakenkreuz, der Gaul galoppiert aber mit neoliberaler Höchstgeschwindigkeit dahin. Die Griechen kommen dabei unter die Hufe.

 

 

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