Rocken und Rollen im Regen

Vergangenen Samstag war ich für die Mittelschwäbischen Nachrichten bei „Rolling Kids“. Aufgrund des Regens wurde die Veranstaltung abgesagt – einige Leute haben sich trotzdem eingefunden und der eigens engagierten Live-Band zugehört. Ich habe daher trotzdem einen Text verfasst. Aufgrund der offiziellen Absage hat der Beitrag den Weg in die Lokalzeitung nicht geschafft – dafür habe ich ihn hier in meinem Blog geparkt:

Gesundheit tut nicht weh

Vor wenigen Augenblicken haben die ersten Regentropfen den grauen Asphalt erreicht. Schon trommeln sie leise, aber penetrant auf das Dach des aufgespannten Regenschirmes. Unter dem Schirm steht Dr. Roland Schmid. Es ist gegen 17.30 Uhr. „Wir warten noch bis sechs, dann sehen wir weiter.“ Nichteinmal eine Handvoll Teilnehmer hat sich zu diesem Zeitpunkt am nördlichen Ende der Kolpingstrasse eingefunden. Der große Parkplatz ist noch leer. Ein großer Hänger dient als Bühne, auf der einige junge Leute dabei sind, Boxen aufzubauen und Instrumente zu stimmen.

Dr. Schmid ist Leiter des Gesundheitsamtes Günzburg. Er hat die heutige Veranstaltung geplant: „Rolling Kids durch Krumbach“. Kinder, Jugendliche und jeder der Lust dazu hat, war eingeladen, mit Fahrrad, Skateboard oder Rollerblades gemeinsam durch Krumbach zu fahren. Dafür wurde eigens eine drei Kilometer lange Strecke von der Adolf-Kolping-Straße bis in den Gärtnerweg gesperrt. Vorbild ist eine ähnliche Aktion, die Dr. Schmid während eines Belgienurlaubs in Brüssel erlebt hat.

Der Regen scheint die Krumbacher in ihren Häusern festzuhalten. Dr. Schmid wirkt dennoch recht gelassen. Warum steht er hier im Regen und straft mit seiner Beharrlichkeit das Klischee vom trägen Beamten Lügen?

„Unsere Hauptaufgabe im Gesundheitsamt ist die Prävention“, erklärt er. Dazu gehöre, die Menschen so gesund wie möglich zu halten. Ein besonderes Augenmerk legt das Gesundheitsministerium derzeit auf Kinder und Jugendliche. Studien zeigen, dass gerade hier ein zunehmender Mangel an Bewegung zu beklagen ist. Die Veranstaltung „Rolling Kids“ soll junge Menschen weg von Fernseher und Computer auf die Straße bringen. Die Möglichkeit, sich frei in einem Straßenzug zu bewegen, dient als zusätzlicher Anreiz. „Einmal das tun dürfen, was sonst nicht erlaubt ist“, kommentiert das der Organisator.

Mittlerweile sind Mitarbeiter der Feuerwehr und vom BRK eingetroffen. Nach einer kurzen Beratschlagung wird beschlossen, die Veranstaltung abzusagen. Dr. Schmid macht sich auf den Weg, die Streckenmarkierungen in Form von Plakaten wieder einzusammeln.

„Life goes by so fast, you only want to do what you think is right.“ Das Leben geht schnell vorbei, man will doch nur tun, was man für richtig hält. Eine Zeile aus dem Social Distortion Klassiker „Story of my Life
Mit einem Cover dieses Songs beginnt die Punkrock-Band Pump Gas ihren Auftritt. Gemeinsam mit dem mittlerweile auf eine kleine Schar angewachsenen Publikum widerstehen die Weissenhorner dem ohnehin abebbenden Regen. Einige Kinder und auch so mancher Papa drehen währenddessen ihre Runden mit dem Fahrrad.

Die Band und alle anderen Kosten der Veranstaltung trägt das staatliche Gesundheits-Ministerium. „Es gibt einen Topf an Fördermitteln, mit dem das Ministerium Aktionen wie diese unterstützt.“, erklärt der inzwischen zurückgekehrte Roland Schmid. Künftig werde es eine neu eingestellte Mitarbeiterin geben, die sich verstärkt um das Thema Prävention kümmert. Dazu zählt beispielsweise das Auswerten von Statistiken und die Sicherstellung der ärztlichen Versorgung in der Region, auch und gerade in der Zukunft.

Die Band spielt immer noch. „Viele Leute machen sich zu selten bewußt, dass Gesundheit nicht weh tut. Weh tut es erst, wenn die Krankheit kommt.“, erläutert der Veranstalter. Die anwesenden Krumbacher fallen wohl nicht in diese Kategorie. Vom Regen ist noch niemand gestorben. Auch die Kinder lassen sich nicht aufhalten und ziehen eifrig ihre Kreise mit Fahrrad oder Skateboard. Vor allem aber die jungen Herren auf der Bühne trotzen den Umständen und spielen noch eine knappe Stunde weiter, bevor die abgesagte Veranstaltung dann wirklich endet. Wie ihre Vorbilder Social Distortion lassen sie sich nicht unterkriegen. Das gilt auch für Dr. Schmid. Es wird einen Ersatztermin geben. Voraussichtlich an einem Sonntag im Juli. Mit Fahrrad, Skateboard und Rollerblades. Aber ohne Regen.

In Deckung: der Feuerbacher Bunker.

Hier habe ich eine weitere Übung im Rahmen meiner Weiterbildung an der SAE Stuttgart ausgegraben.

Im Unterricht zum Thema Bildgestaltung bei Esther Marguerre sollten wir den Feuerbacher Bunker fotografieren und daraus eine kleine Fotostrecke mit Bildunterschriften zimmern.

Ich mag Makros von Strukturen und Oberflächen sehr – in dieser Hinsicht hatte der Bunker einiges zu bieten. Die Bunkerthematik habe ich dann aufgegriffen, indem ich die Bildunterschriften in verspielter Typografie mit einigen passenden Wortspielen versehen habe. Der Bunker diente als Symbol für die Diskrepanz zwischen Sicherheit und Freiheit.

Für eine größere Ansicht bitte einfach auf die Vorschaubilder klicken.

 

Üben, üben, üben…

wuestenschiffe

So lautet die Devise am SAE-Institut in Stuttgart. Seit September 2014 lerne ich hier im Rahmen des Studienganges Crossmedia Production & Publishing das Handwerkszeug des modernen Medienschaffenden kennen. Der Unterricht ist sehr praxisorientiert. Eine der ersten Projekt-Aufgaben war es, einen Bericht zu verfassen und selbigen mit adäquatem Bildmaterial optisch ansprechend aufzubereiten. Die Themenwahl war frei – ich entschied mich, über den Papierwettbewerb PapArt meines Arbeitgebers online-druck.biz zu schreiben.

Hier könnt ihr euch das Ergebnis ansehen:

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Eine Bank hilft bei der Horizonterweiterung.

Nachdem ich einige Beiträge für die Mittelschwäbischen Nachrichten abgeliefert hatte, traf ich mich zu einer Zwischenstands-Besprechung mit dem Chefredakteur. Im Laufe des Gespräches schlug er mir vor, doch auch mal über ein Thema zu berichten, das mir nicht so liegt – einfach, um meine Fähigkeiten, mich in ein Thema einzuarbeiten zu schärfen.

Das habe ich getan und mich kurze Zeit später in die Raiffeisenbank Krumbach begeben, um diesen Bericht daraus zu machen.

Wie Skaos das Juze gerockt hat.

Krumbach ist eine Ska-Hochburg. Jahrelang gab es ein hochkarätiges Ska-Festival, Bands wie die Crashbones oder Finerip Sexappeal haben eine große Fangemeinde erreicht. Eine wahre Ska-Instanz weit über die Grenzen Krumbachs hinaus sind die Jungs von Skaos. Ihre Beliebtheit verdanken sie nicht zuletzt ihrer häufigen und energiegeladenen Live-Präsenz. Ein Skaos-Konzert ist also kein seltenes, aber dennoch ein höchst amüsantes Ereignis. Und darum auf jeden Fall ein paar Zeilen wert.

Reden und Schreiben zum Weltfrauentag.

jesuis_tugce

Auf Einladung der alevitischen Gemeinde Krumbach habe ich bei deren Veranstaltung zum Internationalen Tag der Frau eine kleine Rede gehalten. Aus diesem Grund war ich ohnehin bei dieser Veranstaltung – ich ließ mir also auch nicht nehmen, für die Lokalpresse darüber zu berichten.

Den „Je suis Tugce“ – Aufsteller habe ich kurz vorher noch mit Hilfe eines Verpackungskartones und eines Heimdruckers improvisiert.

Ein Mondreisender in Krumbach.

In einem weiteren Stubenmusik-Konzertbericht habe ich versucht, die hervorragende Stimmung dieses Konzertabends mit dem in Krumbach aufgewachsenen Singer-/Songwriter Daniel Pain einzufangen.

Ganz wichtig: das tolle Stop-Motion-Video, das er nicht nur handgezeichnet und in mühsamer Kleinarbeit animiert, sondern während des Konzertes auch beeindruckend synchron live begleitet hat.

Die bunten Köpfe hinter dem Krumbacher Juze.

In jeder größeren Stadt gibt es ein Jugendzentrum – das gilt auch für Krumbach. Die Jugendlichen in der Kammelstadt sind recht fleißig und stellen jeden Monat ein recht vielseitiges Programm auf die Beine. Bemerkenswert finde ich daran, dass nicht nur Metal, Hip Hop und Punk geboten, sondern auch andere Randbereiche der Musik bedient werden. Neulich gab es einen Poetry Slam, und auch zum Social Rockin finden sich immer wieder Gäste ein, die man in einem Jugendzentrum vielleicht nicht erwarten würde. Wer mehr über die Macher und ihre Beweggründe erfahren möchte: bitte hier entlang.

Von Liebesliedern und Freiheitskämpfern…

elif_polat

Sie trinken gerne auch mal Akohol, die Frauen tragen keinen Schleier und sie bauen keine Moscheen. Die Musik spielt eine wichtige Rolle in ihrem Alltag, viele sind politsch eher im linksliberalen Spektrum zuhause. Die Rede ist von Aleviten, die gemeinhin als gemäßigte Muslime gelten. Im Zuge der Gezi-Proteste in der Türkei habe ich Kontakte mit der alevitischen Gemeinde in Krumbach geknüpft – hauptsächlich, um nicht alleine zu der großen Demonstration in Köln fahren zu müssen. Der Kontakt hält bis heute an. Vergleichsweise wenige deutsch-deutsche Zeigenossen wissen, was einen Aleviten kennzeichnet. Viele haben noch nie von dieser faszinierenden Glaubensgemeinschaft gehört – dabei leben sie seit dem Anwerberabkommen ebenso unter uns wie ihre sunnitischen Kollegen. Für mich Grund genug, in einer kleinen Reportage für die Mittelschwäbischen Nachrichten von den Aleviten zu berichten.

Das Foto zeigt übrigens die Krumbacher Alevitin Elif Polat.